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Hochwasserschutzmaßnahmen

Grundlegende Vorgaben für die Hochwasserschutzmaßnahmen resultieren aus Modellversuchen des Franzius-Institutes der Universität Hannover aus 1959. Diese Modellversuche führten zu Sturmflutbemessungshöhen für Deiche, Hochwasserwände und Sperrwerke. Die Modellergebnisse von 1959 erfassen sowohl das Zusammentreffen von Binnenhochwasser und Sturmfluthochwasser wie auch die Auswirkung des Verlustes der Nebenflussgebiete Hunte, Ochtum und Lesum, die durch Sperrwerke abgetrennt worden sind.
Die zu erwartenden Erhöhungen der Wasserstände durch die Absperrung der Nebenflüsse sind dem Modell-Versuch für den Fall "Erhöhte Sturmflut 1906" entnommen worden. Der Verlauf dieser Sturmflut stimmt mit dem der Sturmflut 1962 weitgehend überein. Den Untersuchungen sind als Ausgangswasserstände die der Sturmflut 1962 zugrunde gelegt worden.

Durch die Schließung der Sperrwerke werden die Hochwasserstände der Sturmflut erhöht. Das Ausmaß der Wasserstandserhöhung, auch durch weitere Ausbaumaßnahmen, ist in einer Tabelle zusammengefasst. Darüber hinaus sind die Wasserstände angegeben, die zu erwarten sind, wenn von einer Sturmflut ausgegangen wird, die in Bremerhaven 0,35 m höher als die von 1962, d. h. auf NN +5,70 aufläuft und mit einem Oberwasser der Weser von 2100 Kubikmeter pro Sekunde (Sturmflut 1962: 1200 Kubikmeter pro Sekunde) zusammentrifft. Weiterhin sind zusätzlichen die Endwasserstände durch die weitere säkulare Hebung bis zum Jahre 2100 angegeben.

Nach dem Binnenhochwasser der Weser 1981 sind ergänzende Modelluntersuchungen zum Hochwasserabfluss aus dem Wesergebiet über das Weserwehr und durch die Stadtstrecke Bremen ebenfalls beim Franzius-Institut durchgeführt worden. Das damalige Hochwasser mit 2400 Kubikmeter pro Sekunde traf auf eine Baustellensituation am Weserwehr Hemelingen.

Von damals zwei vorhandenden Wehröffnungen war eine vorübergehend außer Betrieb. Das führte dazu, dass das Hochwasser im Vorland zwischen den Schutzdeichen um das Weserwehr herum abfloss. Dabei sind im betroffenen Kleingartengebiet im Überschwemmungsgebiet erhebliche Schäden aufgetreten (siehe Bild unten).

Die Hochwasserabflussleistungen am neuen Weserwehr/Stadtstrecke Bremen der Weser und über das Hochwasserabflussgerinne Werdersee/Kleine Weser/Wehr Kleine Weser sind mit 3400 Kubikmeter pro Sekunde über das neue Weserwehr und 800 Kubikmeter pro Sekunde über das Hochwasserabflussgerinne, insgesamt also 4200 Kubikmeter pro Sekunde festgelegt worden.

Hochwasserschutzanlagen

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Die Hochwasserschutzanlagen zur Sicherung der Städte Bremen und Bremerhaven vor Hochwasser bestehen aus Erddeichen, Hochwasserschutzwänden, Sturmflutsperrwerken, sonstigen technischen Bauwerken und Hochwasserabflussgerinnen. Diese wurden bzw. werden von den Deichverbänden in Bremen, den Städten und dem Land Bremen erstellt und auch unterhalten. Diese Hochwasserschutzanlagen sind auf Grundlage der Erkenntnisse der Sturmfluten in den Jahren 1954 und 1962 bzw. des Oberwasserereignisses 1981 und der oben erwähnten Modelluntersuchungen gebaut worden. Das sind im Besonderen das Sturmflutsperrwerk in der Geeste Bremerhaven, das kurz vor der Sturmflut 1962 fertiggestellt war und damals seine erste Bewährungsprobe hatte. Aber auch die seit 1979 in Betrieb befindlichen Sturmflutsperrwerke in Lesum, Ochtum und Hunte, die die Gefährdung der Stadt Bremen über die Lesum/Wümmeniederung und über die Ochtumniederung erheblich reduzieren.
In Verbindung mit dem Bau der Sperrwerke wurden Hochwasserschutzanlagen in Bremen-Nord errichtet und die vorhandenen Weserdeiche für die nach Inbetriebnahme der Sperrwerke zu erwartenden höheren Sturmflutwasserstände in der Weser erhöht. Daneben wurden und werden von den Deichverbänden permanent Deichstrecken verstärkt und auf Schutzhöhe gehalten.

Der Bereich Bremerhaven wird auf einer Länge von etwa 15 km mit Hilfe von Küstenschutzbauwerken (Deichen, Sperrwerken und Kajenkonstruktionen) vor Hochwasser und Sturmfluten geschützt. Im Norden und Süden der Hochwasserschutzlinie befinden sich Hafenkomplexe. Im Norden der stadtbremische Überseehafen und im Süden der landeseigene Fischereihafen. Zwischen den beiden Hafenkomplexen befindet sich die Stadtmitte Bremerhavens. Entlang des östlichen Weserufers erstrecken sich Gründeiche mit Kronenlagen von NN +7,47 m bis NN +8,90 m. Im Bereich des Überseehafens übernehmen Kaimauern (Containerkaje) mit einer Höhe von NN +7,50 m die Hochwasserschutzfunktion. Bei der Columbuskaje mit einer Höhe von NN +4,93 m erfüllt eine zurückverlegte Spundwand mit einer Höhe von NN +5,94 m bis NN +6,80 m die Hochwasserschutzfunktion.

Innerhalb des Küstenabschnittes Bremerhaven mündet die Geeste in die Weser. Die Geeste besitzt ein Tidesperrwerk etwa 4 km oberhalb der Mündung. An der Geestemündung befindet sich ein Sturmflutsperrwerk mit einer Sperrtorhöhe von NN +5,79 m. Durch den Bau des Sturmflutsperrwerkes wurde die damalige (vor 1962) Landesdeichschutzlinie von ca. 26 km auf ca. 13 km verkürzt.
Der Fischereihafen wird durch eine Schleuse (Fischereihafenschleuse NN +7,20 m) und der Überseehafen durch 2 Schleusen (Kaiserschleuse NN +6,19 m und Nordschleuse NN +5,76 m) von der tidebeeinflussten Weser abgetrennt. An der südlichen Landesgrenze befindet sich das stillgelegte Lunesiel mit einer Stemmtorhöhe von NN +6,26 m. Im nördlichen Bereich, ca. 2 km vor der nördlichen Landesgrenze mündet der Grauwall-Kanal in die Weser. Der Grauwall-Kanal kreuzt mit dem Sielgebäude den Weddewarder Deich.

Der Bereich Bremen wird auf einer Länge von etwa 155 km mit Hilfe von Hochwasserschutzbauwerken geschützt. Davon liegen etwa 87 km oberhalb der Sperrwerke (Lesum und Ochtum) und 68 km unterhalb der Sperrwerke entlang der Weser, Lesum und Ochtum. Die markantesten Bauwerke sind das Lesumsperrwerk und das Ochtumsperrwerk. Mit deren Bau und der Inbetriebnahme 1979 verkürzten sich die sturmflutgefährdeten Deiche an der Lesum um 38 km und an der Ochtum um 22 km.
Die Deichstrecken oberhalb der Sperrwerke mussten damals nicht erhöht werden, sind allerdings auch nicht überflüssig geworden. Der Oberwasserabfluss in den Flussgebieten und damit verbundene Hochwässer erfordern dort weiterhin die Existenz von Deichen. Als Besonderheit ist zu erwähnen, dass als einziges Sperrwerk das Lesumsperrwerk ein leistungsstarkes Schöpfwerk erhalten hat. Damit soll bei besonders hohem Oberwasserzufluss der zulässige maximale Binnenwasserstand eingehalten werden. Die Sperrhöhe am Lesumsperrwerk wie auch am Ochtumsperrwerk beträgt NN +6,60 m.

Im Hafenbereich ist nur der Industriehafen abgeschleust und vor Sturmflutwasserständen geschützt. Die Deichhöhen entlang der Weser von der südlichen Landesgrenze Höhe Mahndorf/Arbergen bzw. Habenhausen bis zur nördlichen Landesgrenze bei Farge bewegen sich, abhängig auch von der Art des Bauwerkes, zwischen +10,50 m NN im Süden und +7,20 m NN im Norden.

Hochwasseraufnahmeraum

Für den Sturmflutfall existieren als Hochwasseraufnahmeraum in Bremen-Stadt und Bremen-Nord das Flussgebiet der Weser zwischen den Landesschutzdeichen, die tidebeeinflussten Häfen, ein Hochwasseraufnahmeraum zwischen Senator-Apelt-Straße und Neustädter Häfen, der Stadtwerder in Teilen mit der Kleinen Weser und dem Werdersee sowie Teile der Pauliner Marsch und des Suhrfeldes.

Für ein Hochwasser aus der Oberweser existieren in Bremen keine Rückhalteflächen abgesehen von dem Hochwasserabflussraum zwischen den Deichen. Sie würden auch keinen wesentlichen absenkenden Einfluss auf den Hochwasserstand mehr haben, da nur relativ geringe Flächen bei einer Rückdeichung oberhalb des Weserwehres zur Verfügung stehen würden. Ab Stadtmitte kann das Hochwasser wegen des größer werdenden Weserabflussquerschnittes problemlos abgeführt werden. Zum Schutz der Oberlieger aber auch der Deiche oberhalb des Weserwehres muss allerdings der ungehinderte Abfluss durch Bremen gesichert sein, was mit der bereits genannten Neugestaltung des Hochwasserabflussgebietes Werdersee/Kleine Weser bzw. Neubau Weserwehr und Sicherung der Stadtstrecke der Weser erreicht worden ist. Die Anordnung von Rückhalteflächen muss im Ober- und Mittellauf eines Flusssystemes erfolgen, wie es bereits auch schon jetzt im Wesereinzugsgebiet der Fall ist.

Die durch Sturmflutsperrwerke abgesicherten Nebenflüsse der Weser (Geeste, Lesum, Ochtum) haben zwischen den Deichen ausreichende Hochwasseraufnahmeräume, um das während des Schließzeitraumes der Sperrwerke anfallende Oberwasser auch bei Hochwasser zwischenzuspeichern. An der Ochtum ist im Bereich Huchting und am Unterlauf oberhalb des Sperrwerkes Überschwemmungsgebiet als Hochwasseraufnahmeraum vorgesehen.

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