sie sind hier: Startseite|Leistungen|Technik|Lesumsperrwerk


Das Lesumsperrwerk

Das Lesumsperrwerk verkürzt die Deichlinie, die Sturmfluten standhalten muss. Vorteil seines Baus für den BREMISCHEN DEICHVERBAND AM RECHTEN WESERUFER: ohne das Sperrwerk hätte er seine Deiche an Lesum und Wümme auf 20 km Länge kostenintensiv erhöhen müssen. Nun hält er die Deiche bis Borgfeld nur auf der festgelegten Bestickhöhe, als Schutz vor Hochwasser und einem Ausfall des Sperrwerks bei Sturmflut.
Vom Sperrwerk an lesum- bzw. wümmeaufwärts ist der Deich NN + 5,50 m hoch und fällt bis Borgfeld auf NN + 4,32 m ab.

NN + heißt: zuzüglich Normalnull. Normalnull ist ein durch Gesetz 1897 festgelegter Bezugspunkt für alle Höhenmessungen in Deutschland. Er stimmt etwa mit dem Tidemittelwasser an der Nordseeküste überein. Für Deutschland gilt als NN der Nullpunkt des Pegels in Amsterdam.

Bei Sturmfluten wird das Lesumsperrwerk geschlossen. Dadurch sind Lesum- und Wümmedeiche geschützt, doch in der Weser läuft das Wasser höher auf. Nachteil des Sperrwerks für den Deichverband: er musste seine Weserdeiche nochmals erhöhen.

Auch die Sperrwerke an Hunte und Ochtum am linken Weserufer beeinflussen den Wasserstand in der Weser und damit die Arbeit des Deichverbands am rechten Weserufer. Dieses soll im Folgenden erklärt werden. Im Zusammenhang mit dem Deutschen Küstenplan begannen 1956 Modellversuche für die Unterweser am Franzius-Institut in Hannover. Die Wissenschaftler dort sollten Kombinationen aus unterschiedlichen Sturmfluthöhen mit verschiedenen Oberwassern der Weser, neuen Hafenanlagen im Niedervieland und einem weiteren Vertiefen der Fahrrinne untersuchen und die jeweils möglichen Wasserstände für die Weser und ihre Nebenflüsse ausrechnen.

Die Bremer haben am Ende des vorigen Jahrhunderts begonnen, die Weser zu vertiefen und zu begradigen. Als die Weser 1920 zur Reichswasserstraße erklärt wurde, schlossen die Hansestadt Bremen und das Deutsche Reich einen Staatsvertrag. Das Reich verpflichtete sich dafür zu sorgen, dass ein Regelfrachtschiff des Weltverkehrs in einer Tide von Bremerhaven nach Bremen fahren konnte. Der Vertrag gilt heute noch: wenn der Tiefgang der Schiffe größer wird, muss die Bundesrepublik die Fahrrinne austiefen. Heute können Schiffe bis zu einem Tiefgang von 10 m auf einer Flutwelle bis nach Bremen fahren. Doch der Vorteil für die Häfen hat auch einen Nachteil. Immer mehr Wasser kommt bei Flut immer schneller von der Nordsee bis nach Bremen.

Vor der ersten Weser-Korrektion 1887-1895 für Schiffe mit 5 m Tiefgang betrug der mittlere Tidehub (der Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser) in Vegesack knapp 1,20 m. Heute beträgt er dort 4,00 m.

Eines der vielen Ergebnisse der Modellversuche 1956/58: drei Sperrwerke würden das Land an Lesum, Wümme, Ochtum und Hunte am sichersten und zweckmäßigsten schützen. Allerdings müssten auch wirklich drei Sperrwerke gebaut und gemeinsam betrieben werden. Wenn man nur einen der Nebenflüsse durch ein Sperrwerk schützte, würde das ausgesperrte Wasser bei einer Sturmflut nicht in der Weser bleiben, sondern in die ungeschützten Nebenflüsse fließen.

Als erstes war das Lesumsperrwerk im Sommer 1974 betriebsbereit, als letztes das Huntesperrwerk 1979. Seitdem schließen bei Sturmfluten alle drei Sperrwerke nach einem genau aufeinander abgestimmten Betriebsplan.

Für den Deichverband am rechten Weserufer errechnete sich die nun notwendige neue Höhe der Weserdeiche jedoch nicht allein aus dem Bau der Sperrwerke. Noch ehe sie fertig waren gab es ein neues Deichbestick. Bei der Sturmflutkatastrophe in der Nacht vom 16. auf den 17. Februar 1962 war das Wasser wieder höher aufgelaufen als bei allen Sturmfluten zuvor. In Hamburg ertranken über 350 Menschen, in Bremen sieben. In Bremen strömte das Wasser nur an einigen Stellen über die seit 1955 erhöhten Deiche. Dann flaute der Sturm ab und das Wasser fiel.

Der Sperrwerksbetriebsdienst umfasst sowohl den Betriebsdienst selbst, das heißt den eigentlichen Schließvorgang sowie die Signalsetzung, den Brückenbetrieb als auch den Wartungsdienst und den Bereitschaftsdienst. Die Bediensteten haben alle eine Fachausbildung in den verschiedenen benötigten Gewerben (Metall, Elektrik, Elektronik, Hydraulik).

Das Lesumsperrwerk wird abhängig von der zufließenden Oberwassermenge grundsätzlich so rechtzeitig geschlossen, dass im Sommer (vom 1. April bis 15. November) die Überlaufpolder nicht beaufschlagt werden. Im Winter wird versucht, ausreichend Speicherraum in den Poldern zu behalten. Ziel ist, in der bremischen Wümmeniedeung bei Borgfeld die Wasserstände im Sommer nicht über NN + 2,40 m und im Winter nicht über NN + 2,7 m ansteigen zu lassen.

Dies ist im allgemeinen möglich, wenn am Sperrwerk alle Tiden gekehrt werden, die über NN + 2,7 m auflaufen. Das bedeutet, am Lesumsperrwerk wird in der Regel bereits bei Tiden geschlossen, die 40 cm höher als das derzeitige Mitteltidehochwasser auflaufen.

Es ist aber bei höheren Oberwasserzuflüssen durchaus möglich, dass das Lesumsperrwerk bereits am Niedrigwasserkennterpunkt geschlossen wird. Das Schöpfwerk wird erst in Betrieb genommen, wenn wegen eines großen Oberwasserzuflusses ansonsten der maximal zulässige Binnenwasserstand am Sperrwerk den Wert von NN + 3,20 m überschritten würde. Bislang brauchte das Schöpfwerk aber nicht eingesetzt werden.

Die wichtigsten Elemente des Sperrwerks sind die Hubschütze. Jede Durchfahrtsöffnung wird durch Ober- und Unterschütze gesperrt. Das Oberschütz setzt sich seitlich versetzt auf das Unterschütz. Jede Öffnung besteht aus zwei Ober- und Unterschütze, um eine doppelte Sicherheit zu gewähren, falls ein Schütz ausfallen sollte. Die Unterschütze sind aufgrund ihrer gegenüber den Obeschützen stabilen Ausführung ca. 27 Tonnen schwer. Der gesamte Schließvorgang des Sperrwerks dauert ca. 15 Minuten und kommt im Jahr ungefähr 120 mal vor.

Die Waagebalkenbrücke ist 1972 von der Bremer Vulkan AG hergestellt. Ihre Tragfähigkeit beträgt 30 Tonnen. Die Gesamtlänge der Brücke beträgt 120 m. Das Gegengewicht der Brücke ist mit ca. 15 Tonnen Schrott gefüllt. Der Antrieb der Klappbrücke erfolgt über Triebstockstangen.

Da es sich bei der Lesum um eine Bundesschifffahrtastrasse handelt, hat der Schiffsverkehr den Fußgängern gegenüber Vorrang.

Die Klappbrücke ist vom 15. April bis 15. Oktober ab 22:00 - 06:00 Uhr für den Schiffverkehr geöffnet. Eine Speicher-Programmierte Steuerung fährt die Brücke stündlich vollautomatisch, so dass Passanten sie in einem Zeitraum von 5 Minuten überqueren können.

Jeder Vorgang wird während der gesamten Zeit von einer Videokamera, welche am Betriebsgebäude installiert ist, festgehalten. Somit lässt sich die korrekte Arbeitsweise der Klappbrücke bei Nacht kontrollieren.

Als einziges der drei Sperrwerke an den Nebenflüssen der Weser (Ochtum, Hunte und Lesum) besitzt das Lesumsperrwerk ein Schöpfwerk mit einer Pumpenleistung von 45 Kubikmeter pro Sekunde. Das Sperrwerk und Schöpfwerk wird so betrieben, dass am Sperrwerksbinnenpegel ein Wasserstand von NN + 3,30 m nicht überschritten wird.

Auf der Saugseite der Pumpen binnenwärts des Sperrwerks ist beim Betrieb der Pumpen die Saugleistung gut zu erkennen. Mit der vor Ort befindlichen Rechenanlage lassen sich Verunreinigungen am Pumpeneinlauf beseitigen.

weitere informationen zu den technischen Anlagen des Deichverbandes:

weitere informationen: