Cluts Wettern

Nach der dritten bewohnten Wurt macht die Straße eine Rechtskurve, die in eine Linkskurve übergeht. In der Linkskurve kommt von rechts, an einigen Weidenbüschen entlang, etwas gewunden Cluts Wettern auf die Straße zu.

Drei Entwicklungen trafen in der Mitte des 14. Jahrhunderts zusammen und führten mit einem vierten plötzlichen Ereignis zur Katastrophe, nach der die Dörfer an der Hemmstraße wüst lagen.

1. Das Klima verschlechterte sich seit Anfang des 14. Jahrhunderts rasch im größten Teil Europas. Kalte Jahre folgten und zur Erntezeit im Herbst strömte der Regen. Von 1335 bis 1352 gab es in jedem Jahr eine Missernte und zahlreiche Menschen hungerten.

2. Sturmfluten drangen häufiger und höher in die Wümmeniederung ein. Die Weser versandete, ihr Wasserstand stieg an und es kam zu einem größeren Rückstau des Wassers in die Wümme. Der Eingriff der Bauern in die Naturlandschaft, dass Hinausschieben der Deichlinie an den Fluss, hatte neben der beabsichtigten Wirkung neues Land zu gewinnen auch eine unbeabsichtigte Folge. In den nun kleineren Außendeichsflächen lagerte sich der Flussschlamm höher ab und die Wümme floss erhöht dahin. Die Bauern mussten Deiche und Wurten weiter aufwerfen.

3. Das Binnendeichsland sackte ab. Das Entwässern hatte wie der Deichbau ebenfalls unbeabsichtigte Folgen: die Niedermoorschicht unter dem Marschboden sank in sich zusammen. Wissenschaftler vermuten heute, dass es sich dabei höchstens um einen halben Meter handelte, an vielen Stellen um weniger. Doch das Gefälle vom eingedeichten Land zu den Flüssen hatte sich verringert, das Entwässern wurde immer schwieriger und das Getreide wuchs im nun nasseren Land immer kümmerlicher.

Klimaverschlechterung, häufigere Sturmfluten, absackendes Land: über Jahre wehrten sich die Bauern so gut sie konnten. Doch dann geschah, wogegen sich niemand wehren konnte: der schwarze Tod erreichte Bremen.

Die Pest kam mit Handelsschiffen 1346 von Asien ans Mittelmeer und breitete sich mit rasender Geschwindigkeit in Europa aus. 1350 wütete die Krankheit in Bremen. Die Strassen waren leer, die Häuser verschlossen und von vermutlich knapp 20.000 Einwohnern starben fast 8.000 Bremer. Auf dem Land um Bremen starben 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung. Zahlreiche Bauernhöfe standen leer.

Ein Drittel der Bevölkerung in Europa war tot. Die verringerte Nachfrage nach Getreide senkte die Preise. Die Landwirtschaft wurde auch an der Kleinen Wümme unrentabel.

In der Hansestadt Bremen ging es dagegen trotz Pest und Tod durch den Fernhandel wirtschaftlich aufwärts. So ließen Kaufleute neue Schiffe wie die Kogge bauen und Bremen brauchte Arbeitskräfte. Auf dem Land gaben viele Überlebende der Pest ihre Höfe auf und wanderten nach Bremen ab. Nachkommen der Siedler verließen die tieferen Lagen, auf denen Getreide am schlechtesten gedieh. Fast die Hälfte der Höfe im gesamten Blockland und im Hollerland lag nun wüst.

Die übrig gebliebenen Bauern bewirtschafteten notdürftig die Flur und verteidigten die Deiche bei Hochwasser und Sturmflut. Doch zu viele Nachbarn waren fort. Die Bauern im Oberblockland mussten den größten Teil ihres Polders nach einem Deichbruch an der Großen Wümme aufgeben. Der Deich der ersten Siedler wurde wieder zum Vordeich. Das Land zwischen den Wümmen konnten die Bauern nur noch als Wiesen und Weiden nutzen. Das alte System der genossenschaftlichen Selbstverwaltung funktionierte nicht mehr. An der Blocklander Hemmstraße gaben die Bauern schließlich ihre Häuser auf und zogen an den Deich zur Großen Wümme.