Semkenfahrt / Sietwenje (= Südwenje)

Rechts von der Brücke über die Semkenfahrt kann man einige Schritte ins Land hineingehen. Vor der Birkenreihe Richtung Wümme sehen sie den Polderdeich für das Eisfeld des Bremer Eisvereins, die heutige Sietwenje.

Die ersten Siedler haben die Sietwenje als Seitenarm im Sumpfland gebaut. Die Holländer gingen nach einem groß angelegten Kolonisationsplan vor. An der Kolonisation waren der Erzbischof als Landesherr, adlige "Lokatoren" als seine Vertreter und die Siedler beteiligt. Der Landsherr bestimmte die Größe der Höfe, die Lokatoren beaufsichtigten das Aufmessen und die Vergabe des Landes und die Siedler stimmten Wasserbautechnik und Selbstverwaltungseinheiten gleicher Genossen aufeinander ab und unterteilten das Land in Bauernschaften. Ihre Gesellschaftsordnung, mittelalterliches Recht, Verwaltung, Wirtschaft und Technik prägen die neue Kulturlandschaft noch bis heute.

Die Siedler warfen entlang der Kleinen Wümme einen Achterdeich auf, heute die Blocklander Hemmstraße, und arbeiteten sich von ihm in das Sumpfland vor. Sie hoben schnurgerade, kilometerlange Gräben zur Entwässerung und als Grenze zwischen den sog. Hufen aus. Die Maße der Hufen wurden 1106 im Vertrag mit den Holländern genau festgelegt: sie sollten 30 Königsruten breit und 720 Königsruten lang sein (etwa 150 m breit und 3 km lang). Für diese sehr schmale und sehr lange Form gab es zwei Gründe. Alle Siedler sollten gleich gutes oder schlechtes Land bekommen. Alle sollten die gleichen Rechte und Pflichten haben. Jeder Bauer musste das Deichstück, das zu seinem Land gehörte, in Ordnung halten. Je schmaler sein Hof, desto geringere Lasten musste er für den Deich tragen.

Zusätzlich zum Achterdeich und den beiden Seitendämmen warfen die Holländer einen Vordeich auf, der den Polder schloss. Der Vordeich teilte eine Hufe in Ackerland im Polder und Weide im Außendeichsland. Die Vorstrasse in Lehe, der Mittelweg im Oberblockland und auch die Alte Wettern im Niederblockland sind alte Vordeichlinien. Die Deiche waren damals 80 cm hoch und etwa 10 m breit.

Quer durch den Polder einer Bauernschaft, fast parallel zu Achter- und Vordeich, zogen die Siedler einen Entwässerungsgraben. Das Wasser aus den langen Grenzgräben floss durch ein Siel im Deich in die Kleine Wümme. Damals hatte jede Bauernschaft ihr eigenes Siel, wahrscheinlich ein hohler Baumstamm oder ein Brettergang durch den Deich mit einem Klapptor.

Erst Kinder, Enkel und Urenkel vollendeten den Kolonisationsplan der ersten Siedler.