Kleine Wümme: Torfkanal und Gehrkenstau

  • Torfkanal

Am Ende des Stadtwaldes mündet der 3,2 km lange Torfkanal in die Kleine Wümme. Er leitet Niederschlagswasser und Grundwasser aus Findorff und dem Bürgerpark in den Fluss. Bei starken Regenfällen fließt ungeklärtes Abwasser aus der Bremer Kanalisation in den Torfhafen am Südende des Kanals, so dass seine Wasserqualität meist sehr schlecht ist.

Die Bremer Kanalisation ist in weiten Bereichen fast hundert Jahre alt. Das zentrale Kanalnetz ist ein sog. Mischwassersystem, das häusliche und industrielle Abwässer und Regenwasser sammelt. Notauslässe leiten nach heftigen Regenfällen das Gemisch aus Abwasser und verschmutztem Oberflächenwasser (Mischwasser) in die nächstliegenden Gewässer, um ein Überlaufen der Kanalisation in Straßen und Keller zu verhindern. Fast jeder Graben, der zwischen Horn und Wasserhorst von der Stadt her in die Kleine Wümme und das Maschinenfleet mündet, hatte bis Ende der 1980er Jahre an seinem Beginn einen derartigen Notauslass der Kanalisation. Insgesamt strömten so etwa eine Millionen Kubikmeter Mischwasser jährlich in die Gewässer des Deichverbands.

Im Rahmen eines Sanierungsprogramms (Mischwasser ´90) konnten die vielen kleinen Einleitungsstellen durch drei große ersetzt werden; je eine am Rückhaltebecken Horn / Kleine Wümme, am Rückhaltebecken Müllverbrennungsanlage / Kleine Wümme als Erweiterungsbau und am Rückhaltebecken Ritterhuder Heerstraße / Maschinenfleet als Neubau.

Nach Abschluss des Sanierungsprogramms fließen jetzt bis zu 600.000 Kubikmeter Mischwasser jährlich in die Kleine Wümme und das Maschinenfleet. Sie werden zwar durch die Rückhaltebecken mechanisch gereinigt, sind aber immer noch mit zwei Drittel der enthaltenen Schmutzstoffe belastet.

  • Gehrkenstau

Am Anfang der Blocklander Hemmstraße links liegt der neue Gehrkenstau mit Schleuse und beweglicher Stauklappe. Seit 1989/90 ersetzt er den alten Stau von 1936 jenseits der Autobahn etwa 650 m flussabwärts. Die Schleuse müssen Sportbootfahrer selbst bedienen.

Der Stau hat eine zentrale Bedeutung für das Einstellen der Wasserstände in der Kleinen Wümme, im Kuhgraben und im Torfkanal. Die Wasserstände oberhalb und unterhalb des Staus werden automatisch registriert und die Stauklappe hält selbsttätig die Wasserstandshöhe, die ihr aus der Steuerzentrale im Deichverbandshaus vorgegeben wird. Sie hebt und senkt sich also je nach Wasserabfluss.

Das Rückhaltebecken Müllverbrennungsanlage sehen sie jenseits der Kleinen Wümme. Dort wird das bei starkem Regen überlaufende Abwasser aus der Bremer Mischkanalisation nun zwischengespeichert, wobei ein Drittel der Schadstoffe absinkt.

Der neue Gehrkenstau ist eine entscheidende Trennlinie im Gewässersystem des Deichverbands. Seine neue Lage oberhalb der Einleitungsstelle am Rückhaltebecken verhindert, dass dieses Mischwasser sich flussaufwärts bis in den Kuhgraben ausbreiten kann. Einerseits bringt der Stau eine bedeutende Verbesserung der bisherigen Zustände, anderseits können in Zukunft hier etwa 400.000 Kubikmeter Mischwasser pro Jahr in die Kleine Wümme fließen.

Obwohl die Abwässer mechanisch gereinigt aus den Rückhaltebecken kommen, enthalten sie noch fein verteilte Fäkalien, gelöste organische Stoffe, Ölreste und Gummiabrieb von den Straßen und giftige Verbindungen wie Ammoniak. Bakterien können viele dieser Stoffe abbauen, brauchen dazu aber Sauerstoff. Sie entziehen dem Wasser der Kleinen Wümme manchmal soviel Sauerstoff, dass Fische, Muscheln, Amphibien, Würmer und Insekten ersticken.

Deutlichstes Anzeichen für die Belastung von Kleiner Wümme und Maschinenfleet ist die Abwesenheit von Fluss- und Teichmuscheln. Diese in Deutschland stark gefährdeten Muscheln kommen im Unterlauf der Kleinen Wümme, jenseits des Maschinenfleets und in den größeren Fleeten noch reichlich vor. Sie filtern das Wasser, verbessern es für andere Lebewesen und ermöglichen so das Überleben des Bitterlings, eine stark gefährdete Kleinfischart, die für ihre Fortpflanzung an die Muscheln gebunden ist.

Auch den Wassersportlern machen die Mischwassereinleitungen zu schaffen. Vor allem Kanuten sitzen kurz nach einer Einleitung keinen Meter entfernt von einer stinkenden Brühe aus verdünnten Fäkalien und toten Fischen.

Der BREMISCHE DEICHVERBAND AM RECHTEN WESERUFER ist gemäß seiner Satzung verpflichtet die Abwässer in seinen Gewässern aufzunehmen und weiterzuleiten. Die regelmäßig wiederkehrende Vergiftung von Kleiner Wümme und Maschinenfleet ist auch in Zukunft das Haupthindernis bei seinem Bemühen, die ökologische Situation in seinen Gewässern zu verbessern.