Osterdeich

Der hier beschriebene Fuß- und Radweg stromauf fängt an der Stephani-Brücke an, unterhalb der hohen Ufermauern, die die tiefergelegenen Straßen der Innenstadt vor Sturmfluten und Hochwasser schützen. An der östlichen Treppe zur Wilhelm-Kaisen-Brücke, am Widerlager der Brücke, erinnern Hochwassermarken an frühere Höchstwasserstände.

Am anderen Ufer, gleich unterhalb der Brücke an der Herrlichkeit, steht ein Pegel mit einem gelben Häuschen über dem Registriergerät. Das mittlere Hochwasser in Bremen beträgt NN + 2,50 m, das mittlere Niedrigwasser NN - 1,60 m, der Tidehub also 4,10 m!

Der Osterdeich ist vom Altenwall bis zum Weserwehr 4.100 m lang. Er ist für die Stadt so wichtig, dass sie sich beim Erlass der Deichordnung 1878 die Deichpflicht vorbehalten hat. Ufermauern und Osterdeich gehören zum Gebiet des BREMISCHEN DEICHVERBANDES AM RECHTEN WESERUFER, werden aber bis zum Weserwehr von der Stadt unterhalten.

Der Osterdeich hat seine jetzige Gestalt in den Jahren 1890 bis 1892 erhalten. Unter ihm liegen der Punkendeich (von der Deichstraße bis zum Siel am Dobben), ein Stück vom Eisenradsdeich, der früher vom Siel am Dobben bis zur heutigen Straße Am Hulsberg verlief, und der Langendeich von der Pauliner Marsch bis Hastedt. Der Eisenradsdeich war im Mittelalter das wichtigste Bollwerk der Stadt gegen die Hochwasser der Weser: er war der eiserne Deich des Rats. Eisern hieß, dass er niemals in Deichschläge aufgeteilt werden durfte und der Rat allein in aller Zukunft für seine Instandhaltung sorgen sollte.

Hier oben an der Weser gelten höhere Bemessungswasserstände als an der Lesummündung, denn beim Osterdeich kommen Oberwasser und Flut zusammen. Nach dem Schock der Fluten vom Dezember 1880 und 1881 ist man beim Bau des Osterdeichs besonders besorgt gewesen: der Deich liegt mit NN + 9,20 m noch einen Meter über der heutigen Sollhöhe. Er ist auch ungewöhnlich breit gebaut, denn die Bremer wollten ausreichend Platz für eine Prachtstraße haben. Unter der Straßendecke liegen Kanalisationsrohre und große Versorgungsleitungen für Wasser, Gas und Strom, die normalerweise nicht in einen Deich gehören. Im Kernbereich eines Deichs dürfen keine Leitungen verlegt werden.

Schwachpunkt im Osterdeich ist das Deichschart Peterswerder. Deichscharte sind Durchfahrten, die bei Gefahr geschlossen werden. Wenn im Radio der Nachrichtensprecher vor einer schweren Sturmflut warnt und für das Weser- und Elbegebiet Hochwasser von drei und mehr Metern über dem mittleren Hochwasserstand ankündigt, so heißt das auch, dass für die Pauliner Marsch eine Überflutung droht. Bremer Fußballfans müssen dann auf ein vielleicht vorgesehenes Werder-Spiel verzichten, wie schon im Jahr 1962.

Der Deichverband schickt dann Arbeiter mit einem Werkstattwagen zum Osterdeich, lässt sie die Sturmfluttore schließen und benachrichtigt die Polizei, dass Autos nicht mehr durch das Schart fahren können.

Der Tideeinfluss endet am Weserwehr. Auch heute noch kann das Oberwasser der Weser Verwüstungen anrichten. Im März 1981 durchbrach Binnenhochwasser den Sommerdeich auf dem linksseitigen Weserufer kurz vor dem Weserwehr, grub sich durch das Parzellengebiet am Hastedter Bulten ein neues bis zu 12 m tiefes Bett, riss 150 Kleingärten samt Gartenlauben und Mutterboden mit sich fort und schoss vor der "Erdbeerbrücke" wieder in das Flussbett. Unterhalb des Wehrs riss es auch die Uferbefestigung auf dem rechten Weserufer mit sich.