Munte / Kleine Wümme / Kuhgraben

An der Kleinen Wümme beginnt unserer Tour, auf der wir Ihnen das Wasserregime zeigen wollen: das kunstvolle Ent- und Bewässern des tief liegenden Landes. Das alte Entwässerungssystem aus Gräben, Wettern, Fleeten und Sielen, das die ersten Siedler anlegten, ist heute immer noch in Betrieb. Verfeinert und um Bewässerungsanlagen ergänzt, ermöglicht es die Regelung der Wasserflüsse und Wasserstände im Gebiet zwischen der Bremer Düne und Wümme so, wie es die Nutzer von Land und Wasser heute fordern.

Landwirte haben ihre Wünsche an das Wasser ebenso wie Stadtentwässerer. Am Wasser erholen sich Wochenendausflügler und Radler sowie auf dem Wasser die Bootsfahrer. Was immer Menschen tun, um das Wasser nach ihren Wünschen zu nutzen, hat neben den gewollten auch ungewollte oder unerwünschte Folgen. Für Tiere und Pflanzen sind sie oft schädlich, manchmal tödlich.

Die Entwässerung im Verbandsgebiet des BREMISCHEN DEICHVERBANDES AM RECHTEN WESERUFER verläuft von Osten nach Westen. Oberneuland liegt zwei bis drei Meter höher als Wasserhorst. Die Kleine Wümme sammelt das Wasser aus dem Bremer Osten, nimmt dann das Wasser aus der Stadtmitte auf und führt es über das Maschinenfleet nach Wasserhorst und in die Lesum. In das Maschinenfleet fließt auch das Wasser aus dem Bremer Westen. Die Feldmarken wie Oberneuland, Oberblockland, Niederblockland, Wummensiede und Wasserhorst können als Polder unabhängig voneinander ent- und bewässert werden.

Stauanlagen halten das Wasser und Schöpfwerke in den Deichen heben überflüssiges Wasser zur Wümme und Lesum hinaus. Durch Siele kann Wasser bei Bedarf hereinströmen.

Stau- und Sielwärter können die Höhe der Staue mit Holzbalken verändern oder den gesamten Stauverschluss mit einer Handwinde hochziehen. Die Landwirte der einzelnen Feldmarken wählen ihre Stau- und Sielwärter selbst.

Der Gehrkenstau arbeitet automatisch. Er reguliert die Wasserstände in der oberen Kleinen Wümme und damit auch im Torfkanal und im Kuhgraben. Die Wasserstände in der unteren Kleinen Wümme, der Semkenfahrt, dem Maschinenfleet und weiteren Fleeten reguliert das Schöpfwerk und Siel Wasserhorst.

Acht Pegel registrieren die Wasserstände im Gebiet des Deichverbandes. Ihre Messdaten steuern den Gehrkenstau und das Schöpfwerk Wasserhorst. Die Daten werden außerdem in die zentrale Rechenanlage im Verbandsgebäude am Lehester Deich eingespeist, ebenso die Tidewasserstände in Lesum und Wümme. Über ein Optimierungsprogramm kann dann zum Beispiel in Wasserhorst bei niedrigem Wasserstand in der Lesum das Siel statt der mit teurem Strom betriebenen Pumpen benutzt werden. Bei starken Regenfällen kann auch der Gehrkenstau gesenkt und in Wasserhorst vorsorglich Wasser abgepumpt werden.

Die Wasserstände in den Gewässern sind vor allem am Bedarf der Vegetation auf Wiesen und Weiden, des Viehs (die Gräben sind Tränke und natürliche Zäune zugleich) und der Sportbootfahrer ausgerichtet.