Schleuse und Schöpfwerk Kuhsiel

Über Kuhsiel brachten Lastkähne seit dem Mittelalter Getreide und Vieh aus Lilienthal und Borgfeld von der Wümme in den Kuhgraben und weiter an der Munte vorbei und am Bürgerpark entlang bis zum Dobben. Die Schiffer zogen ihre Kähne über den Wümmedeich. Als der Handel mit Torf zunahm, baute man im 19. Jahrhundert die erste Schleuse in Kuhsiel, die inzwischen ein Neubau ersetzt hat. Heute lassen sich jährlich etwa 3.500 Sportboote hier durchschleusen. Die beiden Hubtore der Schleuse haben kleine verschließbare Öffnungen, durch die bei Flut Wümmewasser in den Kuhgraben fließen kann.

Rechts neben der Schleuse liegt das moderne Schöpfwerk Kuhsiel. Große Rechen schützen die im Haus verborgenen Pumpen vor treibendem Reet und Ästen. Auch dieses Schöpfwerk arbeitet automatisch, kann jedoch von der Steuerzentrale im Haus des Deichverbands ferngesteuert werden.

Das Schöpfwerk ist nur für die Entwässerung ausgerüstet. Neben ihm liegt unter dem Deich ein großes Rohr, durch das bei Trockenheit Wümmewasser eingelassen werden kann. Aber auch wenn die Bremer Kanalisation in die Kleine Wümme überläuft, kann der Deichverband in Kuhsiel über den Kuhgraben eine Spülung in Gang setzen und mit Wasser aus der Großen Wümme das Abwasser in der Kleinen Wümme schnell in Richtung Wasserhorst vorantreiben. Der Vergleich mit ähnlich funktionierenden häuslichen Einrichtungen ist durchaus treffend, jedoch dauert eine Spülung nicht fünf Sekunden, sondern etwa zwei Tage.

Wenn jedoch die eingeleitete Mischwassermenge so groß ist, dass die Pegelhöchstwerte in der Kleinen Wümme überschritten werden und die Gefahr droht, dass in Findorff Keller volllaufen, muss der Deichverband auch in Kuhsiel abpumpen. Das aus dem Rückhaltbecken in Horn in die Kleine Wümme einströmende Mischwasser wird dann durch den Kuhgraben in Richtung Kuhsiel gezogen.

Von Kuhsiel aus können sie auf dem Kuhgrabenweg einen kleinen Abstecher zum Fischpass im Stau Schelenkampsfleet etwa 450 m südlich auf der linken Seite unternehmen.

Fische leben im Laufe des Jahres in verschiedenen Gewässern. Im Frühjahr wandern sie zum Laichen in flaches, durchsonntes Wasser, das ihnen und den Jungfischen reichlich Nahrung bietet. Im Winter ziehen sie sich in tieferes Wasser zurück, das nicht durchfriert. Die zahlreichen Staue in den Poldern des Verbandsgebietes trennen diese beiden Lebensräume der Fische voneinander und empfindliche Fischarten werden seltener.

In den Stau zwischen Schelenkampsfleet und Kuhgraben hat ein Bremer Unternehmer mit Erlaubnis des BREMISCHEN DEICHVERBANDES AM RECHTEN WESERUFER einen "Fischpass" eingebaut. Ein batteriebetriebener Motor betätigt einen Schieber vor einem für Fische passierbaren Durchlass im Stau kurz über dem Boden des Fleets. Eine Steuereinheit regelt das Öffnen und Schließen so, dass bei ausreichendem Wasserstand die Fische wandern können und Fleete und Gräben im Naturschutzgebiet Hollerland trotzdem nicht leer laufen. Solarzellen laden die Batterie auf und machen die Anlage unabhängig von Stromzuleitungen.

Der Kasten links vom Stau ist ein Messpegel, der Pumpen am Kuhgraben ansteuert und so die Zuwässerung in das Hollerland regelt.

Der Fischpass ist eine technische Neuentwicklung, die einen Ausgleich zwischen den Interessen der Landwirtschaft und den Bedürfnissen der wassergebundenen Lebensgemeinschaften ermöglichen soll. Wenn sie sich bewährt sollen weitere fischpassierbare Staue vor allem den bedrohten Kleinfischen wie z.B. Bitterling, Steinbeißer, Schlammpeitzger und Moderlieschen bessere Lebensmöglichkeiten in unseren Gewässern geben.

Die Wasserwirtschaft ist bis heute stark durch die Landwirtschaft geprägt. Verbreitet ist nach dem Viehabtrieb eine weitgehende Senkung der Wasserstände in Fleeten und Gräben, damit das Land bis zum nächsten Frühjahr möglichst trocken wird. Die heute benutzten modernen schweren Landmaschinen brauchen festen Boden unter ihren Rädern. Doch bei dieser Bewirtschaftungsform verlieren Fische und andere Wasserbewohner ihr Winterquartier oder sterben ab, wenn die flachen Gräben durchfrieren. Zumindest in Naturschutzgebieten muss diese Bewirtschaftungsform unterlassen werden, da nur ein hoher Einstau auch im Winter die Tierwelt in Gewässern schützen kann.