Schönen Brake

Auch im Blockland gab es Spatengerichte. Eines der bedeutendsten fand 1754 an der Schönen Brake im Niederblockland 11 statt. Ab 1744 war der Deich an dieser Stelle mehrmals gebrochen. Nach einem weiteren Bruch im Dezember 1753 erklärten die deichpflichtigen Eigentümer sich außerstande, den Deich wiederherzustellen. Im April 1754 wurde daher an Ort und Stelle das Spatengericht abgehalten.

Drei Tage und zwei Nächte steckte der Spaten unberührt im Deich. Am Abend des dritten Tages zog der Deichvogt den Spaten und übernahm damit für den Deichverband der Vierlande, einem der Verbände aus denen später der BREMISCHE DEICHVERBAND AM RECHTEN WESERUFER gebildet wurde, die Pflicht zur Wiederherstellung des Deiches. Das hieß damals, dass die Gemeinschaft aller übrigen Deichpflichtigen zur Schaufel greifen musste. Da war es nur ein schwacher Trost, dass das Eigentum an Haus und Hof an den Verband fiel.

Die einzelnen Systeme zur Verteilung der Deichlasten haben einen Kreislauf durchgemacht. Die gemeinsame Deichunterhaltung durch alle Mitglieder der Gemeinde, der Kommune, wurde ab dem 12. Jahrhundert von der Pfanddeichung abgelöst. Heute haben wir wieder eine Kommuniondeichung.

Für die Pfänderwirtschaft galt der Grundsatz "kein Land ohne Deich, kein Deich ohne Land". Diese Grundregel sagt aus, dass für jeden Deichabschnitt eine bestimmte Grundfläche haftete. Die Haftung beinhaltete nicht nur die Unterhaltung des Deiches, sondern auch seine Instandsetzung im Falle einer Beschädigung.

Zur Festlegung der Deichlasten wurde der Deich in Unterhaltungsabschnitte eingeteilt. Diese Teile hießen Pfänder oder Schläge. Die Ausmessung der Schläge beurkundeten die verbände in Deichrollen. Die Aufteilung und Zuweisung der Schläge erfolgte meist nach der Größe der genutzten Flächen hinter den Deichen.

Über den Umfang der notwendigen Unterhaltungs- und Instandsetzungslasten gab es immer wieder Streit. Die Blockländer beklagten sich ständig über die sie drückenden Deichlasten. Besonders wurmte sie im 19. Jahrhundert, dass sie auch den weit entfernten Eisenradsdeich, den heutigen Osterdeich, an der Weser mit zu unterhalten hatten. Das verwundert eigentlich, weil bei dem schweren Bruch des Eisenradsdeichs im März 1830 auch das Blockland überschwemmt wurde.

Allmählich setzte sich die Einsicht durch, dass die Pfanddeichung die Deichpflichtigen unerträglich belastete. 1876 wurde daher auf dem linken Weserufer und 1878 auf dem rechten Weserufer die geldwirtschaftliche Kommuniondeichung eingeführt. Von diesem Zeitpunkt an hatte jedes Verbandsmitglied einen seinem Vorteil entsprechenden Beitrag in die Verbandskasse einzuzahlen. Dieses Prinzip gilt bis heute fort. Mit ausschlaggebend für diese Änderung waren sicherlich auch die seit dem 16. Jahrhundert ständig höheren mittleren Tidehochwässer.

Die Verteilung der Deichlasten auf möglichst breite Schultern konnte nur funktionieren, wenn größere Organisationseinheiten geschaffen wurden.

Mit den Deichordnungen von 1876/78 änderte der Bremer Senat gesetzlich nicht nur das Beitragswesen, sondern er ordnete gleichzeitig die bestehenden Deichverbände neu und fasste sie zu größeren Einheiten zusammen. Diese Entwicklung hat mit der Gründung der beiden großen Verbände 1940 am rechten Weserufer und 1947 am linken Weserufer ihren vorläufigen Höhepunkt gefunden.