Dammsiel

Von Dammsiel östlich nach Kuhsiel, westlich nach Wasserhorst zieht sich heute die lange Reihe der Bauernhöfe am Deich der Wümme entlang; so wie im Mittelalter am Deich der Kleinen Wümme.

Seit dem Umzug um ca. 1500 liegen die Wohnhügel an der Kleinen Wümme verlassen. Nur drei Wurten des alten Henne und zwei des alten Damme sind heute noch bewohnt. An der Großen Wümme konnten die Bauern den Deich leichter verteidigen.

Immer mehr Bremer kauften Bauernland als Geldanlage, der Einfluss der Stadt nahm zu. Über dreihundert Jahre lang haben die Städter planmäßig versucht, die Landeshoheit über das Umland links und rechts der Weser an sich zu bringen und die Bauern ihrer Gerichtsbarkeit zu unterstellen. Der Gohgröfe, früher der gewählte Richter der freien Siedler, war nun nur noch für die Deiche zuständig, und seine Wahl musste in Bremen vom Rat abgesegnet werden.

Für die Bauern an den Deichen ging es nach dem Umzug wirtschaftlich wieder aufwärts. Nach und nach konnten sie die Deiche reparieren und neue Deiche bauen.

In den folgenden Jahrhunderten gab es schlechtere und bessere Zeiten. Besitzverhältnisse wechselten und Leute ohne Landbesitz kamen in die Dörfer an den Deichen. Das Leben war oft karg, denn das Entwässern wurde immer schwieriger. Die Wasserstände außendeichs erhöhten sich, die nassen Wiesen gaben immer ärmlichere Erträge her.

Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts löste eine moderne Technik mit Dampfschöpfwerken die alten Entwässerungsprobleme. Doch die Grundstruktur des Landes, das System der Deiche, Gräben, Wettern und Siele aus der Zeit der ersten Siedler blieb unverändert. Seit 900 Jahren geht es hier um eines: um das Wasser.